Nach der Schaffung der organisatorischen Basis (Phase 0) erfolgt die Ermittlung des Ist-Zustands. In dieser Phase wird die Erhebung belastbarer Daten durchgeführt, um subjektive Eindrücke durch Fakten zu ergänzen und passgenaue Maßnahmen abzuleiten.
Verkehrsplanerische Perspektive:
Professionelle Bestandsaufnahmen bestehen aus einer Kombination von quantitativen Daten (Verkehrszählungen, Unfallstatistiken) und qualitativen Daten (Problemstellen aus Nutzersicht)4444. Während Kommunen oft Planungsbüros beauftragen, kann durch schulische Eigenerhebungen eine wesentlich höhere Detailtiefe für das direkte Schulumfeld erreicht werden5.+4
Verhaltenspsychologische Perspektive:
Der Fokus liegt auf der Differenz zwischen objektiver und subjektiver Sicherheit. Ein Weg kann objektiv sicher sein (wenig Unfälle), sich aber subjektiv unsicher anfühlen (dunkle Unterführungen, hohes Tempo des Kfz-Verkehrs). Nur wenn das subjektive Sicherheitsempfinden gestärkt wird, findet eine dauerhafte Verhaltensänderung hin zur aktiven Mobilität statt6666.+1
BNE-Baustein: Partizipative Forschung – Die Bestandsaufnahme ist ein exzellentes Beispiel für "Forschendes Lernen". Schüler:innen agieren als Mobilitätsforscher in eigener Sache und leisten einen Beitrag zu SDG 11 (Nachhaltige Städte), indem sie Barrieren für nachhaltige Mobilität aufzeigen.
Die Schule kann verschiedene Bausteine kombinieren, um ein umfassendes Bild zu erhalten:
| Methode | Durchführung | Nutzen |
|---|---|---|
| Mobilitätsbefragung | Online- oder Paper-Survey unter Schüler:innen und Eltern. | Ermittlung des Modal Split und der Gründe für die Verkehrsmittelwahl (z.B. Zeitgewinn vs. Angst)8888.+2 |
| Partizipativer Schulwegcheck | Begehung/Befahrung der Hauptrouten durch das Schulteam. | Identifikation von Hindernissen wie fehlenden Querungshilfen oder zu schmalen Gehwegen9999.+3 |
| Erreichbarkeitsanalyse | Kartierung der Einzugsbereiche (z.B. "Wer wohnt im 15-Minuten-Radius zu Fuß/Rad?"). | Aufzeigen von Potenzialen für den Umstieg vom Auto auf aktive Mobilität10101010.+2 |
| Unfalldatenanalyse | Auswertung der Unfallatlas-Daten in Kooperation mit der Polizei. | Identifikation von realen Gefahrenschwerpunkten im Umfeld11111111.+2 |
Um Jugendliche aktiv einzubinden, empfiehlt sich ein interaktiver Workshop zur Bestandsaufnahme.